AUSWANDERUNG AUS VARL IM 19. UND 20. JAHRHUNDERT

 

Einleitung

 

Aufgrund der teilweise mangelhaften Lebensverhältnisse im 19. Jahrhundert und nach dem Ersten Weltkrieg, aber auch wegen der wirtschaftlichen Attraktivität der Vereinigten Staaten von Amerika verließen mindestens 187 Varler (Bis 1849 werden auch die Sielhorster mitgezählt, da bis zu diesem Jahr Varl und Sielhorst die Gemeinde Varl bildeten. ‑ Die genaue Zahl der Auswanderer lässt    sich nicht mehr feststellen, weil nicht alle Auswanderungsunterlagen erhalten. Dies gilt besonders für die Zeit nach 1900. ‑ Vgl. das Auswandererverzeichnis ) ihre Heimat, um in den Vereinigten Staaten, vereinzelt auch in Brasilien, ihr Fortkommen zu suchen.

 

In den zahlreichen Briefen, die die Auswanderer an ihre zurückgebliebenen Angehörigen und Freunde schrieben, gehen die Auswanderer auf die in der Regel positiven Gegebenheiten ihrer neuen Heimat ein, reflektieren aber auch das Negative und Positive der alten Heimat im Amt Rahden.

 

Im folgenden sollen einige Briefe exemplarisch vorgestellt werden, aus denen die Lebensumstände in der alten und neuen Heimat hervorgehen. (Eine genauere Analyse der Auswanderungsursachen und ‑hintergründe findet sich in: Kammeier, Deutsche Amerikaauswanderung aus dem Altkreis Lübbecke   in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, Münster, Phil. Diss., 2, verb. und erw. Auflage, 1989.)

 

Brief von Carl Molkenbur (1859)

 

Carl Molkenbur hatte Varl 1855 verlassen und arbeitete zunächst in Cincinnati, später dann in der Nähe von Cincinnati in einer Schnapsbrennerei und Ziegelei. Es gelang ihm seinen Briefen zufolge offenbar nicht, einen großen Wohlstand zu erreichen.

 

Cincinnati, den 17. März 1859 Liebe Schwiegereltern, Schwagers und Schwiegerinnen! Da ich einen Gruß erhalten habe durch meinen Bruder Sein Schreiben, So fühle ich mich Genöthigt, das ich euch alle wieder Grüße, Obgleich es jetzt über 4 Jahre sein, das ich an euch, aber ihr alle nicht an mir Geschrieben habt. Was uns anbetrifft, So sind wir Gott sey Dank alle Gesund und Munter, Welches wir auch von euch Hoffen. Durch Meines Bruders Schreiben habe ich Erfahren, das mein Schwiegervater schon lange Krank u mahl Geschrieben. Es Scheint Gerade, als wen ich zu Schlecht für Euch Währe, und Weshalb ich noch nicht Reich geworden bin? aber denkt Gewiß, wir haben Satt zu Leben, obschon ich noch gans gutgeschrieben habe, wie manche Leute ihre Freunden wirklich thun: Sie Versprechen Goldene Berge, und gewesen Stroh dagegen, aber ich wil keinen Menschen nach Amerika locken. dazu mus Jeder Mensch Freien Willen und eigene Lust haben, es gehe ihn den Gut oder Schlecht so hat ers sich Selbst zuverdanken. es ist Freilich Für die Gewöhnlichen Arbeiter besser in Amerika als irgend einen Platze in Europa, den wen der Arbeiter Arbeit hat, So hat er auch Brot, und wen er auch nicht immer schafft, So hat er doch Brot, wen er etwas sparsam damit umgeht. aber da bei euch, Wen der Arbeiter bei den Bauern ist zu arbeiten, und ißt etwas viel, so nehmen Sie ihn nicht wieder, Sondern Sagen, der Man Frißt zu viel, auf den wollen wir nicht wieder Nehmen, Wir können genug Ander kriegen. aber in Amerika Schaft man und kriegt Sein Geld, Geth an Seinen Tisch und richtet sich ein wie man will. ich kann da eine Tonne Mehl kaufen Von den besten Weizen, die wiegt 195‑199 Pfund, zu 7 Dolar, da habe ich 3 Monat Genug daran vor Brot zu Backen, aber in Deutschland, wen da der Tagelöner auch kräftig ist, arbeitet und hat 34 Kinder, so mus er Manchmahl noch Hunger Leiden. in Amerika ist das Morgens keine ander Mode wie Caffe oder The. da trinkt man Caffe mit Zucker und Weisbrot, auch noch Fleisch dazu, am Sonnabend Werden Kuchen Gebacken mit Corinten und Rosinen. Jetzt mus ich schliesen und wir grüßen euch alle Vielmals. Grüßt alle Verwante u. Bekante.

 

Carl Molkenbur

 

 

Brief von Franz Heinrich Hinze (1861)

 

Vor seiner Auswanderung nach Texas im Jahre 1860 hatte Franz Hinze (geb. 1810) die Heuerlingsstellen Varl b. 22 und später Varl b. 18 inne. Er schrieb eine Reihe von Briefen an seine ehemalige "Herrschaft", die Familie Tödtenheide, die mir das Material freundlicherweise zugänglich machte.

 

Hinzes Tochter Engel (gest. 4.8.1866 in Texas) wanderte wohl schon 1858 mit der Familie ihres (späteren) Ehemannes Heinrich Emshoff nach Independence bei Brenham in Texas aus. Die Familie Emshoff ermutigte zwei Jahre später den Witwer Franz Hinze und seine Kinder, ebenfalls diesen Schritt zu wagen. Bei den Kindern handelt es sich im einzelnen um:

 

1) Anne Marie Dorothea (geb. 6.4.1843, gest. 23.12.1868);

2) Anne Marie Sophie (geb. 6.8.1846); sie heiratete Heinrich Emshoff nach dem Tode seiner ersten Ehefrau Engel geb. Hinze;

3) Sophie Louise (geb. 19.3.1849);

4) Friedrich Wilhelm (geb. 13.12.1851);

5) Wilhelmine Christine (geb. 12.4.1858).

 

In Texas pachtete Hinze zunächst Land von seinem Schwiegersohn bzw. dessen Vater Emshoff, bevor er eigenen Besitz erwarb. Neben seiner Tätigkeit als Baumwollfarmer verdiente Hinze Geld mit dem Mahlen von Getreide und dem Entkörnen von Baumwolle. Insgesamt ging es ihm wirtschaftlich und finanziell gut, wie er immer wieder voller Dankbarkeit und Gottvertrauen betont.

 

Hinzes Briefe sind in vielerlei Hinsicht bedeutsam. Zum einen ist er einer der wenigen bekannten Auswanderer, der einen Sklaven besaß. Hinze versucht, das System der Sklaverei zu erklären, wenn nicht zu rechtfertigen. Zum anderen legt er anschaulich dar, wie viel sein Besitz und seine Arbeitsleistung wert sind, so dass der Leser einen guten Überblick über die Mehrung des Wohlstandes von Auswanderern gewinnt. Aufschlussreich erscheint ferner, dass der Lohn für das Mahlen und Entkörnen nicht in barer Münze, sondern in Naturalien bezahlt wurde.

 

Am 19.4.1861 meldet sich Franz Hinze bei seinem Freund Tödtenheide zum ersten Mal nach seiner Auswanderung im Vorjahr. Aus dem Schreiben geht hervor, dass seine Auswanderung geplant war (sein Schwiegersohn Emshoff unterstützte ihn zunächst) und dass er in einer Gruppe aus dem Raum Rahden/Stemwede reiste: er erwähnt 18 Personen, die Emshoff zunächst unterbrachte.

 

Franz Hinze an seinen Freund Tödtenheide in Varl

 

Independence, den 19. April 1861

 

Vielgeliebter Tödtenheide als Guter freund und Brod Herr So Lange Jahre gewesen wohl ungefähr 40 Jahr!

 

Nun haben wir uns voriges Jahr trennen Müssen, Weil ich die Reise Nach Amerika angenommen habe, welches mir auch Sehr schwierig vorkam. aber der Liebe Gott ist mit uns gewesen, das wir unsere Reise Glücklich vollendet haben, denn wir Sind immer Gott Sei Dank Gesund und Munter gewesen und auch Noch bis getzt, welches ich von euch auch hoffe (..).

 

auf den Schiffe haben wir essen genug gehabt und geden Tag fleisch oder Spek. Bloß des Sonnabens gab es Herringe. aber das Wasser war die erste zeit sparsam, den Sie waren vorsichtig, das wir am Ende keinen Mangel (. .) leiden Mußten, den es heißt: Spare in der Zeit, So hast du in der Noth. ‑ wir Sind zehn Wochen auf den Wasser gewesen, aber wir haben keinen sturm gehabt. und da wir in Galveston an kamen, da wurden wir gleich gewahr, das Emshof zwei Tage vorher da gewesen war, um uns zu erwarten. weil er aber Nicht wußte, wie Lange es noch dauerte (Hinze bezieht sich auf die Ankunft des Auswandererschiffes), So hat er Sich wieder fortgemacht.

 

Von Galveston gingen wir auf die Eisenbahn bis Husten (Houston). Sind wir zu fuß hingegangen. Bloß ein paar Meile von Emshof (Die Familie Emshoff, früher Wehdem 132, war 1858 nach Texas ausgewandert.) kam uns den Tischler Meier sein Sohn entgegen. (Es könnte sich um die Familie des später erwähnten Christoph Meier handeln.) Mit Seinen ferde. da stieg er ab und ich mit meiner kleinen Christine (geb. 12.4.1858; demzufolge war sie 2 Jahre alt bei ihrer Ankunft) setzten uns darauf bis nach Emshoff. und da habe ich Sie alle in einen Sehr guten Wohlstande gefunden, grade so wie Sie geschrieben haben, (..) es wahren unser 18 Mann; er hat sie gut beherberget mit Essen und Trinken, so Lange bis sie unter kommen hatten.

 

und ich mit Meinen kindern Sind 4 wochen da gewesen (bei Christian Ludwig Emshoff, geb. 25.12.1811, gest. 31.1.1878) Jetzt bin ich mit Meinen 4 Kindern bey Meinen Schwieger‑Sohn, und unsere Dorothee ist bey den Alten Emshof verblieben und verdient das Jahr 55 Dolar.

 

(..) wir haben unser Land von Emshof, ungefähr 30 Acker (etwa 12 Hektar) und 3 Häuser und 4 Ochsen zum Arbeiten und ein Pferd zum Reiten und 8 Milch Kühe mit Kälber, den die Kälber werden hier alle zugesetzt (Die Kälber bekommen außer der Muttermilch zusätzliches Futter, wahrscheinlich Magermilch), und 8 Junge Ochsen und Rinder. Wehrtester freund Tödtenheide, ich kann den Lieben Gott nicht genug danken, das er es alle So eingerichtet hat, den Mein Treuer Schwieger Sohn Sorgt für Mich und meine Kinder so gut als es Nur Möglich ist. Wenn ich arbeiten kann, so arbeite ich, aber mir wird gar keine Arbeit abgefordert (Hinze spielt auf seinen zeitweise schlechten Gesundheitszustand an). er läßt meine Kinder in die Schule gehen, da es hier doch kein zwang ist. Sie lemen Englisch und auch Deutsch (..). und seit Weihnachten ist Jeden Sonntag 2 Mahl Gottesdienst gehalten worden und auch Weihnachen abend. den es ist hier kein Kirchen gehen wie bey euch in Deutschland, das wir des Morgens erst ins Wirtshaus gehen und Sobald die Kirche aus ist, wieder. den Jeder hausvater geht Mit Seinen Gesinde Jeden Sonntag zur Kirche (..). die Kirche ist von unsem Hause ungefehr zehn Minuten, den unser land grenzt an die Kirche (Hinze meint das Land, das Emshoff ihm zur Verfügung gestellt hatte). und wir haben einen Prediger, der ist aus der Schweitz, der ist ein Monath Später gekommen als wir er ist noch unverheiratet und wohnt in der Kirche. des Mittages ißt er bey Emshof Morgens und abens kocht er selber in Seine Wohnung (..). und grüßet doch Christoph Hoegemeier, den ich habe noch nicht mit Seinen Söhnen gesprochen, aber gehört davon. Lieber Wilhelm Wlecke, wen dein Bruder Christian luß hir zu kommen hat, den er kann dreiste kommer (Plattdeutsch: "hei kann drieste kurmen" ‑ er kann getrost kommen); er kan hir gutes Geld verdienen. er Verdient hir das jahr zu 80 bis 90 Dular. (..) unser Sophie, daß hätte können verdienen 45 Dular, aber (wir können das entbehren) (unleserlich; vom Hrsg. ergänzt) wegen die Ander beiden gehen nach die Schule nun wil ich Schließen und Grüßen).

 

Franz Heinrich Hinze

 

 

Brief von Friedrich Wilhelm Meier (1866)

 

Friedrich Wilhelm Meier war ein Schwager von Molkenburs Bruder, der in Varl den elterlichen Hof bewirtschaftete. Er war vor 1866 nach Brenham/Texas ausgewandert und lebte dort in enger Verbindung mit ehemaligen Bewohnern des Kreises Lübbecke. Als Farmer hatte er es zu Reichtum und Ansehen gebracht. 1875 besuchte er seine alte Heimat. Im Jahre 1877 geriet er durch eine Mißernte in eine finanzielle Krise.

 

Im Gegensatz zu Molkenbur behauptet F. W. Meier in seinem Schreiben vom 12.5.1866 an seine Schwester in Varl, daß jedermann in Texas zu Wohlstand und Reichtum gelangen könne. In einer Mischung aus Spaß und Ironie konfrontiert Meier seine Angehörigen mit der Frage, ob sie lieber in Deutschland spinnen oder in die USA kommen wollten. Sein Ton erscheint großspurig, was aber nicht über die Tatsache hinwegtäuschen darf, daß Menschen, die im Kreis Lübbecke als gering und arm einzustufen waren, in Texas zu Besitz gekommen waren. ‑ Während bei Molkenbur neben der Versorgung mit Lebensmitteln auch die persönliche Freiheit des Menschen im Vordergrund steht und er kein gutes Verhältnis zu seinen Angehörigen hat, will Meier ihnen, falls sie sich zur Auswanderung entschlössen, in allen Dingen des praktischen Lebens behilflich sein.

 

Friedrich Wilhelm Meier an seine Schwester in Varl:

 

Brenham/Texas, den 12. Mai

 

Geliebte Schwester, Schwager und auch Sohn C. Heinerich!

 

Mit Freuden ergreife ich die Feder uns auch nochmals durch einen Brief sprechen zu dürfen, weil wir mündlich doch nicht mit einander Reden können, und weil ich Sehe, das ihr mein Schreiben nicht gut glaubt So wil ich euch auch nicht dazu Schwingen (zwingen), es mus euer Freier Wille sein. lieber Schwager und Schwester, nehmt doch ein Beispiel von H. Emshoff!

 

ihr wißt doch, wie seine Verhältnisse da wahren (in Deutschland), und wie er jetzt steht. er hat C. Emshoff alles wieder zurück bezahlt und hat jetzt 500 Dollar auf intresse (Amerikanismus: interest=Zinsen) stehn. er hat es nicht durch seine Profeschon (Profession; offenbar hatte Ernshoff einen anderen Beruf als Landwirt in Deutschland) , er hat es mit Farmen oder Ackern, und den noch eins, Seht Franz Hinze an, was der hatte, den der wie er von da weg ging; jetzt hat er und sein Schwiegersohn C. Emshoff sein Platz gekauft für 3000 Dollar.

 

nun, lieber Schwager und Schwester, was wollt ihr nun? Kommen oder Spinnen? ‑ Ich weiß wohl, ihr wollt lieber Spinnen! ‑ Ach ihr Lieben, ich thue es ja nicht für mich zu meinen Nutzen, Sondern für Euch selber, weil ich es nicht länger ansehen kann, das ihr euch in den schlapen Lande herum treibt und euch so jämmerlich behälften Müßt. ich wil euch noch ein beispiel geben, du schreibst mir das ihr habt 2 Schweine Abnehmen Müßen. Als wen das ein großes unglück ist! nun wil ich euch auch Schreiben, wie viel das ich in den letzten 2 Jahren Verlohren habe: 16 Milchkühe und 2 große Arbeitsochsen! Aber das rechne ich gar nicht, weil ich noch genug habe, das verspürt man kaum mahl.

 

Aber da bei euch ist alles knap, da mus man es schon rechnen in die lage, wo ihr drin steckt Als Heuerling.

 

‑ Ach, ich wil lieber Spinnen als nach Amerika gehen! ach jah, ich wollte sagen, wen es gefährlich währe oder das es hier nicht so währe wie ich euch schreibe, den thäte ich unrecht. Aber das kann ich vor Gott beschwören, alles dasjenige, was ich euch schreibe, das ihr es so findet, wie ich euch schreibe.

 

‑ Ach, ich wil lieber Spinnen, ich bin so schwächlich!

 

Liebe Schwester, wenn du jetzt schon klagst und bist erst 33 Jahr alt, was wil es den werden, wen du älter wirst, den geht es dir viel Schlechter als meine Vatter und Mutter. Ach, ich wollte, ich hätte sie hier. die Sollen sagen, wir haben ein Kind groß gezogen und so würde es mit euch auch sein (..).

 

Ach, lieber Schwager, die Schweine, die du abgenommen hast, würde ich euch gewiß ein paar andere schenken, den ich habe genug.

 

Nun, lieber Schwager, was wilst du den nun?? herrüber kommen oder bei den Bauern Arbeiten für (Die Zahl ist unleserlich) ( ... ) gute Groschen, da du hier nach euren Gelde Ein Thaler verdienst.

 

Geliebte Schwester Christine, ich dich Vieleicht beleidigt habe, das ich geschrieben habe von deine Schwächlichkeit, das ist nicht so gemeint. ich bin ganz gewiß überzeugt, wen du auf das Wasser komst, das du ganz gut wieder hergestellt wirst. ‑ Seht H. Emshoff an! ihr wißt doch wie jämmerlich der war, er ist hier so gesund und frisch wie ein jungerJunge.

 

So besint euch doch nicht lange und kommt herrüber!

 

Hiermit will ich Schließen und euch alle vielmals grüßen und es grüßen auch meine Frau und Kinder, die sagen auch, das Ihr so dum seit und wolt nicht kommen. (..)

 

Ich verbleibe dein dich liebender Bruder Wilhelm Meier

 

 

Briefe von Heinrich Schwettmann (1930 ‑ 1933)

 

Heinrich Schwettmann, geboren 1863 auf dem Hof Varl 130, war der Sohn des am 1.4.1864 vor Düppel gefallenen Kanoniers Schwettmann. Er wanderte später mit seinen Halbbrüdern Heinrich und Christian nach Cincinnati aus und betrieb dort eine Gärtnerei. In drei Briefen, die hier gekürzt wiedergegeben werden, beschreibt er unter anderem die Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise in den USA und in Deutschland sowie die Auswirkungen des totalen Alkoholverbots in den Vereinigten Staaten, das von 1918 bis 1933 galt. Es führte trotz der gut gemeinten Absicht dazu, dass die Menschen Alkohol schwarz brannten und gab Al Capone die Gelegenheit, sein Gangster‑Imperium in Chicago aufzubauen...

 

Cincinnati, den 1. November 1930 Lieber Bruder August u. Kinder!

 

(...) Ich würde mehr schreiben, wenn man noch gesund wär und nicht so alt. Man ist abends immer so müde, daß man sich gerne ausruht, denn ich bin noch drei Jahre von den Siebzigern entfernt. (. .)

 

Hier Sterben viele Leute an Herzkrankheit. Die Krankenhäuser sind voll von Leuten, die alle den grünen Schnaps trinken. Der gute Schnaps ist so teuer, daß die armen Leute ihn nicht kaufen können. Die Reichen haben alles, was sie wollen. Die kaufen es von Canada. Die ärmere Bevölkerung muß sich mit billigem Schnaps begnügen. Man nennt ihn hier "Mondschein" und es ist viel Gift drin. So geht das amerikanische Volk zugrunde an so lumprigen und erbärmlichen Gesetzen. Jetzt heißt es, daß die Brauereien wieder aufmachen wollen, um gutes Bier zu machen. (..)

 

Tausender sind aus der Mode, man rechnet nur noch mit Millionen. Es sind viele Millionen ohne Arbeit, und die noch Arbeit haben, verdienen das halbe Geld. Wie ich gesehen habe aus Eurem Briefe und hier in den deutschen Zeitungen, ist es dort in Deutschland gerade so.

 

Ich war letzten Sonntag bei Christian (sein Halbbruder). Er ist sonst ziemlich gesund und hat Geld genug, aber er geht so krumm und kann seine Beine nicht gerade kriegen. Mein Sohn hat mich mit dem Auto hingefahren, Wir haben Bier getrunken und Schinkenbrote dazu gegessen. Aber es ist uns doch nicht ganz wohl gewesen. Erstens ist unser lieber Bruder heimgegangen und nun auch Eure liebe Mutter. Vielleicht kommt auch unsere Zeit bald heran. Ich habe es auch so in den Gliedern und kann morgens nicht in Gang kommen.

 

Ich wünsche Euch allen die beste Gesundheit und viel Glück u. Segen. Viele Grüße Euch allen, auch an Minna

 

Heinrich

 

 

Am 5.4.1932 berichtet Heinrich Schwettmann, dass die Regierung große Bauprojekte ankurbele und die durch die Wirtschaftskrise angeschlagenen Banken finanziell unterstütze, um zum Abbau der Arbeitslosigkeit beizutragen. Die politische Lage in Deutschland (ein alternder Reichspräsident Hindenburg und ein nach außen schwach auftretender Kanzler Brüning) schätzt er zutreffend ein).

 

Cincinnati, den 5. April 1932

Lieber Bruder u. Deine Kinder!

 

(..) Die Zeiten sind hier schlecht, weil nicht genug Arbeit da ist. Die Leute, die das Geld haben, wollen es nicht ausgeben. Kürzlich hat die Regierung den Banken 2 1/2 Billionen (Amerikanismus: billion=Milliarde) vorgestreckt zur Besserung der schlechten Zeiten.

 

Sie bauen hier in Cincinnati einen großen neuen Bahnhof, wo die Eisenbahnen von allen Richtungen einfahren können. Aber sie mussten die 40 Mrg. (die Bedeutung der Abkürzung ist unklar) 20‑25 Fuß auffüllen, und die Straßen mußten übergebaut werden, weil sie die Schienen alle gerade legen wollen. So haben viele Leute Arbeit. Vielleicht werden die Zeiten bald besser. Häuser werden wenig gebaut. Die Arbeitsleute haben kein Geld u. die Geschäftsleute stehen vor dem Bankrott. Die Geschäfte sind tot und können sich kein Geld mehr borgen. Viele Häuser werden billig verkauft vom Gericht aus für die vielen Steuern.

 

In Washington hat man kein Geld, um die Ausgaben bestreiten zu können. Jetzt wollen sie noch mehr Taxe auf die Sachen legen, die die Leute brauchen. Es soll auch wieder Bier gebraut werden, damit sie Steuern kriegen und die alten Soldaten bezahlen können. Solange ich denken kann, war die Weit nicht so verrückt wie jetzt.

 

Bei Euch wäre es auch besser, wenn es nicht für den verrückten Franzosen und Pollacken wäre. Bald ist ja wieder Wahl in Deutschland. Ich denke, der Hindenburg wird wieder Präsident. Aber es scheint mir, es ist nicht alles in Ordnung bei Euch im Lande. Der Hindenburg wird zu alt und der Kanzler Brüning hat kein Feuerzeug. (S. meint damit, dass der Anstieg der Arbeitslosigkeit in Deutschland unter Reichskanzler Brüning (1930‑32) ihm angelastet wurde und dass er es nicht verstand, der Öffentlichkeit den durch das sog. Hoover‑Moratorium erreichten Abbau der Reparationsverpflichtungen des Deutschen Reiches bewusst zu machen. Die freiwerdenden Gelder hätten für Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen verwendet werden sollen).

 

Ich habe gelesen, daß die Landwirte in Deutschland in sehr schlechtem Zustande sind, und daß die Regierung sehr vielen ihr Hab und Gut verkaufen läßt für die Steuern, die sie schuldig sind. Hier in Amerika ist es gerade so. Wer nicht bezahlen kann, verliert seine Heimat. In dem Staate Mississippi soll es ganz schlimm sein. Dort sollen jeden Monat 2‑3 Tausend Acker Landwirtschaft verkauft werden von den Staatsregierungen. Die Leute können dann aber noch 2 Jahre in dem Haus wohnen bleiben. Es wäre nicht so schlimm, wenn sie nur Arbeit hätten. Aber die Leute, wo das Geld haben, wollen es nicht ausgeben. So ist es überall in der Welt. Nur Frankreich hat allein so viel Geld, wie alle übrigen Länder zusammen. Wenn man hier wieder Bier und Schnaps machen lassen würde, dann könnten 2 Millionen Leute Arbeit kriegen u. die Regierung könnte einen großen Haufen Steuern einnehmen.

 

Aber unsere Regierung ist so verrückt, und der Präsident will das Land trocken behalten (Präsident Herbert Hoover (1929‑1933) verlor die Wahl 1932 gegen Franklin D.Roosevelt (1933‑1945). Anhänger des Alkoholverbots. Er wird nicht wieder Präsident werden, denn früher haben die Leute hier getrunken, jetzt tun sie saufen. Von unseren Brüdern kann ich nicht viel schreiben. Sie waren schon länger nicht mehr hier und ich gehe nirgends mehr hin. Meine Beine wollen mich nicht mehr tragen. Aber Wilhelm u. Christian werden wohl noch sein, sonst hätten sie es uns über den Fernsprecher wissen lassen. Morgens geht es mir nicht gut, nachher wird es besser Wir wissen, daß es dem Ende zugeht.

 

Ich hoffe, daß Euch diese paar Reihen bei der besten Gesundheit antreffen. Minna Steinkamp u. ihr Mann waren letzten Sonntag mal wieder bei uns. Ich muß aufhören, denn meine Nerven sind fertig.

 

Viele herzliche Grüße

 

Heinrich

 

 

In seinem letzten erhalten gebliebenen Brief (12.12.1933) weist Schwettmann auf die Probleme vieler Menschen in den Vereinigten Staaten und die Wirtschaftskrise hin: fehlendes Vertrauen in die Wirtschaft führte zur Zurückhaltung von Kapital und die sich langsam erhöhenden Löhne der Arbeiter konnten nicht in vollem Umfange für Waren und Dienstleistungen ausgegeben werden, weil die Schulden und Zinslast der meisten Haushalte zu hoch war. Letzteres betraf besonders ehemalige Arbeitslose, die durch die fehlende Arbeitslosenversicherung (und mangelnde Ersparnisse) verschuldet waren. Erst F. D. Roosevelts Wirtschaftspolitik, auf die hier nicht eingegangen werden kann, führte die USA aus der Krise; Schwettmann sieht bereits erste Anzeichen hierfür.

 

Cincinnati, den 12. Dezember

 

Lieber Bruder August u. Familie!

 

Es ist mir grad eingefallen, daß ich Euch so oft vor Weihnachten geschrieben habe und will auch jetzt einen kurzen Brief schreiben in der Hoffnung, daß Ihr noch alle gesund seid. (..)

 

Wie ich in den Zeitungen sehe, wird es in Deutschland doch langsam besser. Hier halten die reichen Leute das Geld zu fest. Die Städte und Ortschaften borgen Geld für Lebensmittel, dass die Leute nicht verhungern und geben den Leuten Arbeit, wo sie nur können. Aber das bisschen, was die Leute verdienen, brauchen sie, um ihre Schulden zu bezahlen. Es ist hier noch sehr wenig besser geworden.

 

ich selber habe Geld ausstehen und brauche es notwendig, aber ich kann es nicht kriegen.

 

Bruder Wilhelm geht es noch ziemlich gut. Aber mit Bruder Christian sieht es schlecht aus. Der Doktor hat gesagt, er hätte Rheuma im Knochenmark und würde nie mehr gehen können. Im Hause hat er einen Rollstuhl. Sein Geld hilft ihm jetzt auch nicht. Die Zeiten sind hier sonst sehr schlecht. Wer ein bisschen Geld hat, kann es nicht ausborgen, weil er es nicht wiederkriegt. Ich glaube, es dauert noch ein paar Jahre, dass die Weit wieder in Ordnung kommt.

 

Meine Frau Berta und ich können auch nicht mehr so recht, wir haben es in den Gliedern. Mein Magen ist auch nicht in Ordnung und meine Nerven sind morgens oft ganz verrückt. ‑ Wenn Ihr Gelegenheit habt, schreibt uns doch mal. Wir werden nicht mehr viel schreiben, denn unser Leben geht zu Ende. Wir wünschen fröhliche Weihnachten u. ein glückliches Neujahr.

 

Der alte Heinrich

 

 

Die Lohmeyers in Posen, Schlesien und Japan

 

Im Jahre 1897 verzogen Christian Friedr. Lohmeyer und seine Frau Marie Dorothee geb. Wehe mit vier Kindern in die Provinz Posen. Der Hof in Varl Nr. 126 (ab 1880 Nr. 79) war klein und unrentabel geworden. In dem Ort Deutsch‑Wilke erwarb man eine Siedlerstelle. Diese waren dort meistens 50 Mrg. groß, und den Siedlern wurde in vieler Hinsicht staatliche Unterstützung gewährt. Das Ziel der preußischen Regierung war es, die polnische Mehrheit in diesem Gebiet zu brechen. In Varl hatte man Haus und Hofplatz an Familie Bollhorst (heute Krohne) Nr. 20 verkauft. Ländereien wurden einzeln veräußert.

 

Christian Lohmeyer ging mutig ans Werk, wohl auch ein wenig zu Mutig. Nach einigen Jahren baute er eine Ziegelei auf. Kredit verschaffte er sich bei Verwandten, die schon länger dort in der Nähe wohnten. Aber das Glück war nicht auf seiner Seite. Seine Frau starb, die Ziegelei brannte ab. Das alles warf ihn aus der Bahn. Er kam mit den Kindern nicht zurecht, hatte Schulden, die er nicht abbauen konnte. In seinen Briefen an den Bruder in Varl verschwieg er alle Sorgen, berichtete von Erfolgen. Dieser machte sich eines Tages auf den Weg nach Posen zum "wohlhabenden" Bruder. Er war fassungslos, als er diesen Steine klopfend an der Straße vorfand. Mit Löffelschnitzen, das er als Varler konnte, versuchte er, über die Runden zu kommen. Es gelang ihm nicht. Per Zeitungsinserat lernte er eine Frau in Breslau kennen und heiratete sie. Christian Lohmeyer verkaufte seinen Besitz und zog mit den Kindern nach Breslau, arbeitete hier in Fabriken. Seine Söhne erlernten verschiedene Berufe.

 

Von den beiden Söhnen August (geb. 19.6.1892 in Varl) und Otto (geb. 8.7.1902 in Posen) möchte ich näher berichten, weil ich mit deren Kindern in Verbindung stehe und von diesen auch die Familiengeschichte erfahren habe.

 

Sohn Otto wurde Schornsteinfeger in Breslau. Bei Kriegsende 1945 wurden Frauen und Kinder aus der „Festung Breslau" evakuiert, die Männer mussten bleiben. Otto Lohmeyer kam am 7.5.45 bei den Kämpfen um die Stadt um. Seine Frau fand mit den Kindern eine Bleibe in Bielefeld. Eine Tochter wohnt heute noch dort. Ottos Sohn Richard wurde Ingenieur und ist bei der Firma Linde in Köln angestellt. Nebenbei hat er sich der Ahnenforschung verschrieben und ist in jedem Urlaub auf Spurensuche, auch in Varl.

 

August Lohmeyer erlernte in Bremen das Schlachterhandwerk. Im 1. Weltkrieg geriet er als Marinesoldat in der deutschen Besitzung Tsingtau in japanische Gefangenschaft. Japan sollte seine zweite Heimat werden. ‑ In seinem Beruf machte er sich dort selbständig, bot deutsche Spezialitäten an. Seine Frau Fusa, eine Japanerin, die wegen ihrer Heirat mit August Lohmeyer von ihrer Sippe verstoßen wurde, stand ihm tatkräftig zur Seite. Das betonen ihre Kinder heute immer wieder. Ohne die Unterstützung der Mutter, die täglich bis zu 16 Stunden mit im Geschäft stand, hätte es ihr Vater nicht so weit gebracht. Dass August Lohmeyer in Tokio eine Fleischwarenfabrik und zwei Restaurants besaß, erfuhren wir zunächst von seinem Sohn Wilhelm, der 1969 in Varl auf der Suche nach der Stätte seiner Vorfahren war. Es war an einem Sonntag, als ihn die Varler Feuerwehr zu uns geschickt hatte in der Hoffnung, mein Vater, damals bereits 79jährig, könnte vielleicht Näheres wissen. Er hat sich auch sofort mit Wilhelm Lohmeyer auf den Weg gemacht zu verschiedenen Lohmeyers, wurde aber nicht fündig. Da Lohmeyer am nächsten Tag wieder abreisen musste, versprach mein Vater ihm, weiter nachzuforschen. Er ging zum Standesamt und war dann der Meinung, dass die heutige Stätte Nr. 155 die frühere Hofstätte von Lohmeyers gewesen sei. Er machte Fotos vom jetzigen Besitz und schickte sie mit seinem Bericht nach Tokio. Dort war man hocherfreut und schickte uns Fotos zum Dank.

 

Dann hörten oder besser sahen wir von den Lohmeyers wieder in der Fernsehsendung "Wiso" am 24.4.1984. Es wurde über die deutsche Leistungsschau in Tokio berichtet. Plötzlich erwähnte der Moderator Friedhelm Ost den deutschstämmigen Fabrikanten August Lohmeyer, der dort so erfolgreich sei. „Wo andere eine Marktlücke wittern, ist Lohmeyer schon da", so hieß es wörtlich. Eine Büste von ihm wurde gezeigt.

 

Da ich zu der Zeit Auswandererbriefe sammelte für Herrn Dr. Kammeier, kam ich auf die Idee, die Verbindung mit Lohmeyers wieder aufzunehmen und um ein Foto des Firmengründers zu bitten. Nach einigen Wochen erhielt ich einen herzlichen Brief, die gewünschten Fotos und auch eine Ahnentafel, in der auch die Balkmanns, meine Vorfahren, verzeichnet waren. Wir waren sogar entfernte Verwandte! Inzwischen hatte ich auch festgestellt, dass mein Vater sich damals geirrt hatte. Das neue Wohnhaus der Familie Krohne steht heute dort, wo der alte Gretannenhof seinen Standort hatte.

 

Wurde in der Fernsehsendung 1984 noch von dem erfolgreichen Firmengründer Lohmeyer berichtet, der 1962 nach einer Magenoperation verstorben war, mußten die Söhne Otto und Wilhelm den Besitz 1986 verkaufen. Otto Lohmeyer, der die Fleischwarenfabrik führte, hatte den Überblick verloren und war in die roten Zahlen geraten. Die Firma wird aber unter dem Namen Lohmeyer weitergeführt, weil dieser Name in Japan einen so guten Klang hat....

 

 

Die Wehebrinks in Brasilien

 

Fritz Wehebrink stammte vom Hof Nr. 18, gen. Tötenheide. Er war ein Vetter meines Vaters und hat uns viele Briefe geschickt. Leider begann mein Vater erst nach dem II. Weltkrieg damit, diese Briefe zu sammeln. Da mir die Aufbaujahre dieses Kolonisten aber besonders wichtig waren und wir darüber keine Brief‑Dokumente besaßen, bat ich Minna Wehebrink um einen Bericht über diese Zeit. Fritz Wehebrink war 1982 bereits verstorben. Eine besonders große Freude in seinem Leben hat ihm wohl sein Neffe Willi Wehebrink bereitet, als er seinen Onkel in Brasilien ein Jahr vor dessen Tode besuchte. Immer wieder hat der Onkel zu ihm gesagt: "Dat us einer ut usen Huse besöchte, dat hadde ich nie dacht".

 

Fritz Wehebrink war mit dem Gedanken ausgewandert, sich in Amerika Vermögen zu erwerben, um sich in Deutschland in etwa zehn Jahren eigenen landwirtschaftlichen Besitz kaufen zu können. Das Heimweh hat die Eheleute im Leben nie ganz verlassen. Die wirtschaftlichen und politischen Entwicklungen in Brasilien waren dann aber so, dass sie entweder dort bleiben mussten oder ohne ihr Vermögen heimkehren. Fritz und Minna Wehebrink konnten später nie verstehen, dass so viele Bauernsöhne in Deutschland den angestammten Hof nicht wollten. Eine Entwicklung, die auch hier alte Landwirte nicht begreifen.

 

Wehebrinks in Brasilien haben heute einen Besitz von etwa 600 Morgen. Sohn und Schwiegertochter waren ebenfalls tüchtige Bauern. Inzwischen ist auch der Enkel und Hoferbe verheiratet und führt den Hof weiter. Die älteste Tochter Elfriede kam als Neunjährige Ende August 1939 nach Deutschland zu Wehebrinks in Varl. Nach ihrer Heirat ging sie mit ihrem Mann, der Tischler war, nach Brasilien zurück. Aber das Klima dort und die Lebensumstände sagten ihnen auf die Dauer nicht zu. Nach einigen Jahren kamen sie mit ihren Kindern zurück und bauten sich in Espelkamp eine neue Existenz auf.

 

Frau Elfriede Schwanenhorst in Espelkamp erzählte mit, dass ihr Vater durch ein Buch mit dem Titel „Auswanderer nach Brasilien", das er in den 20er Jahren las, zur Auswanderung angeregt worden sei. Ein Pfarrer Lindemann aus Bad Oeynhausen vermittelte ihn nach Rolante. Die meisten Siedler dort seien durch Vermittlung der Kirche nach Brasilien gekommen.

 

In einer Artikelserie über Auswanderer im Landwirtschaftlichen Wochenblatt wurde Ende 1994 über den Ort Teutonia berichtet, in dem auch Wehebrinks leben. Darin heißt es:

 

1865 wanderte der Vikar Friedrich Wilhelm Kleingünther aus Luden nach Südbrasilien aus, um eine Pfarrstelle anzutreten. Viele seiner Gemeindemitglieder folgten ihm und gründeten die Gemeinde Teutonia, zur Erinnerung an das Tecklenburger Land.

 

Fritz Wehebrink war der letzte Kolonist in Teutonia, der aus Deutschland kam!

 

Ein Brief von Minna Wehebrink vom 19.10.1986 an mich soll hier ungekürzt wiedergegeben werden. Aus ihm werden die Lebensumstände der Familie deutlich.

 

Blumenau 19.10.86

 

Liebe Frieda u. Fam.!

 

Am 16 Sept erhielt ich deinen ziemlich umfangreichen Brief Ja, erstaunt war ich schon, musste aber gleich denken, was mag da passiert sein. Kennen tu ich Dich, auch Deinen Mann ganz gut, die Kinder allerdings nicht, aber nach Deiner Beschreibung bin ich ganz im Bilde. Im Sept. waren 60 Jahre vergangen, seit ich die Heimat verliess, 2 jährig, meine Eltern habe ich nicht wiedergesehen. Wie wir 54 noch mal die Heimat besuchen durften, ruhten sie schon fast zehn Jahre auf dem Friedhof. Durch den Zweiten Weltkrieg waren wir doch viele Jahre ohne jegliche Verbindung mit der Heimat. Unsere älteste Tochter, sie wollte so gern nach Deutschland, ist dann mit Bekannten schon rüber, war erst 9 Jahre alt. Sie kam grade zu Anfang des Krieges dort an. Wir wollten hier alles auflösen u. dann nachkommen, wurde dann durch den Krieg verhindert. Nun will ich versuchen Deinen Wunsch zu erfüllen, über unseren Werdegang zu berichten. Du musst aber entschuldigen, ich bin bald 82 Jahre, da hat man vieles vergessen.

 

O. Fritz hat im Mai 1925 Deutschland verlassen, er fuhr erst nach Rolante bei Taguara, nach einem Herrn Treviranus der Zuckerrohr pflanzen wollte u. eine Schnapsbrennerei aufmachen wollte, das aber später fehlschlug, dort hat er 1 Jahr gearbeitet. Ist dann mit einem Tischler, den er auf der Reise kennen gelernt hatte, nach Taguara u. haben dort eine Tischlerei angefangen, für uns ein Haus gebaut. Ein Jahr später bin ich dann mit Pfarrer Schultz, der seinen Urlaub in Deutschland verbracht hatte, dann nachgekommen. Ein halbes Jahr war ich dann noch im Pfarrhaus, er war aus Pommern, seine Frau aus dem Ruhrgebiet, Krankenschwester, wie die meisten Pfarrfrauen.

 

Am 17. März 27 haben wir geheiratet, waren nach Porto Alegre zum deutschen Konsulat, um deutsch zu bleiben, es waren bis dorthin 3 Std. Bahnfahrt. Wie wir abends zurückkamen war im Pfarrhaus gleich die kirchliche Trauung. Trauzeugen waren die Pfarrwitwe vom Vorgänger u. O. Fritz sein Kollege, nach einem guten Abendessen war unsere Hochzeit zu Ende, unser Haus war nicht weit entfernt. Uns hat der Tag Freude gemacht, war schöner wie eine große Hochzeit, nur Eltern u. Geschwister hätten wir gern um uns gehabt. hier haben wir ein gutes Jahr verbracht, die Arbeit hat O. Fritz nicht zugesagt, er wollte auf der Kolonie arbeiten. Wir wussten, das in Nova Teutona S. Catarina viele Bewohner aus Gehlenbeck waren. Durch einen Pfarrer, der Name ist mir entfallen, dort hingeschickt, war noch alles Urwald. Da hat der Onkel sich aufgemacht, um zu sehen, ob dort nicht bessere Möglichkeiten für uns wären. Es hat ihm dort gleich gut gefallen, trotzdem es ziemlich bergig dort ist, hat er sofort eine Kolonie gekauft. Die erste Kolonie, 30 Hektar, kostete 3.000 Milreis, das waren gut 1000 Mark.

 

Heute, nach der Inflation haben wir Cruzados, dazwischen war noch Cruzeiro.

 

Im Juni 28 sind wir dann von Taguara, Rio Grande do Sul, nach Nova (Neu) Teutonia Santa Catarina gewandert. Die Eisenbahnfart bis zur Endstation Barro dauerte 2 Tage, von dort, 90 km, brauchten wir noch eine Woche, wir konnten nur von Ort zu Ort mit Pferdewagen weiter. Kurz vor Yta mussten wir den Uruguay, die Grenze zwischen Rio Grande do Sul u. Santa Catarina überqueren, in einem kleinen Boot, ich hatte mächtige Angst, mit so einem Boot den breiten Fluss zu Überfahren, eine Brücke war nicht da, bis heute noch nicht. Die Lasten werden mit einer Barke übergesetzt. Von Yta mussten wir noch 30 km weiter, die haben wir dann zu Fus gemacht, ein Kolonist von Teutonia hat unsere Koffer auf sein Pferd geladen, er selber ist dann auch gelaufen, es war das schwierigste Stück von der ganzen Fahrt. Da es Abend war u. noch dazu regnete, sind wir bei dem Kolonisten am Stadtplatz übernachtet. Ein Bett war nicht da, wir mussten am Boden schlafen, zum erstenmal in meinem Leben. In der Nacht kamen dann auch noch die Wanderameisen, hier einfach Wanderer genannt, wir kannten die noch nicht, aber da sind wir gesprungen, aber wohin, sie waren überall, das war einfach schrecklich, u. wie erbärmlich doch manche Kolonisten erst gewohnt haben. Unser Land lag 6 km vom Stadtplatz entfernt, dorthin führte nur eine Picade zum reiten, einer nach dem andern. Auf diesem Wege habe ich gedacht, hier komme ich im Leben nicht wieder raus, die Stimmung war auch danach. Bis unser Gepäck kam, es dauerte 3 Mo. wohnten wir bei einem Nachbar unseres Landes. Nun gings ans Wald schlagen, bis das trocken ist zum brennen dauert wochenlang. Ein Hausplatz war schon freigeschlagen, es hatte kurze Zeit schon ein anderer dort gewohnt. Wo nun aber Bauholz herkriegen, weit u. breit war keine Schneidmühle.. . Also musste mit Hand geschnitten werden, einer stand oben auf dem Klotz, der andere unten, es gab ja besondere Brettersägen, aber eine mühselige Arbeit. Wir haben es aber in 2 Jahren geschafft, wie Elfriede im April 1930 geboren wurde hatten wir 2 Zimmer soweit zum einziehen, wir waren jung u. die Arbeit machte uns schon Freude. Unser Ziel war, in 10 Jahren wieder zurück nach Deutschland, es kam alles anders. Die ersten Jahre waren schwer u. dann immer die Sorge um unsere Elfriede. Der Verdienst war schlecht, die meisten Kolonisten mussten Strassenarbeit machen, um das Land zu bezahlen, das brauchte der Onkel nicht. Wir kauften ein Pferd zum reiten u. 2 tragende Sauen. Nach dem brennen der Waldroca wurde Mais, schwarze Bohnen u. noch vieles anderes gepflanzt, vor allen Dingen auch Mandiok, der hier die Kartoffel ersetzt. Nun musste für Weide gesorgt werden, hier wird Gras gepflanzt, eine langweilige Arbeit, da musste man eben Hilfe nehmen. Die Ureinwohner, einfach Cabocklos genannt, die nicht mehr arbeiteten wie sie zum Leben brauchten, verstanden aber nur mit der Buschsichel umzugehen, eine Hacke kannten sie nicht, sie kamen gern zum arbeiten, da gabs etwas Geld u. sie hatten zu essen.

 

Die Zäune wurden von Holz gemacht, es war ja genug da, die Klötze wurden so lang wie sie gebraucht wurden, abgeschnitten, dann zu Planken gespalten u. eine neben die andere in einen dazu fertig gemachten Graben gestellt u. festgestampft, so haben wir 1 km Zaun gemacht. Hatten dann eine grosse Weide, auch gleich für die Schweine, sie wurden gefüttert mit Mais, Mandiok u. viel Grünfutter. Bald konnten die ersten Schweine geschlachtet werden, nur das Schmalz konnte verkauft werden. Das war Lieblingsarbeit für die Brasilianer, das Fleisch war spottbillig, das Schlachten wurde alle mit Fleisch bezahlt. Was übrig blieb, wurde gekocht u. wieder an die Schweine verfüttert. Nach einigen Jahren konnte man die Schweine lebend verkaufen, da wurde es leichter. 1935 wurde dann unser einziger Junge geboren, der unsere Wirtschaft mit gutem Erfolg weiterführt. 38 kam unsere Gerda u. 40 unsere Eili, die jüngste. Ich habe 16 Enkelkinder, aber nur 3 Mädchen, u. 8 Urenkel.

 

Nun bitte ich Dich, liebe Frieda, fahre nach Espelkamp zu Fam. Schwanenhorst Buchenweg 5. Elfriede u. Werner werden Dir auf vieles Antwort geben können, u. entschuldige, wenn ich einen langen Brief mit wenig Inhalt geschrieben habe. Die Bücher von Dr. Kammeier kenne ich zwar nicht, möchte Dir aber nicht zumuten, sie mir zu schicken, es sind schon noch viele Deutsche hier, die sich dafür interessieren. Für heute mache ich Schluss, wenn ich Dir etwas helfen kann, tue ich gern, schreib nur wieder. Dein Brief hat mich doch sehr interessiert.

 

Viele Grüße aus Brasilien Deine M. Wehebrink

 

 

Amerikaauswanderer (bis 1900)

 

Im folgenden sind alle bekannten Auswanderer bis 1900 aufgeführt, und zwar mit allen Daten, die heute noch aus den Akten ermittelt werden können. Die tatsächliche Zahl der Auswanderer lag höher, weil heute nicht mehr alle Auswanderungsakten erhalten sind. Dies gilt besonders für die Zeit nach 1900, aus der fast keine Auswanderungsunterlagen im Stadtarchiv Rahden erhalten geblieben sind.

 

Jeweils in der ersten Zeile finden wir das Auswanderungsjahr bzw. das Jahr des Prozesses in Abwesenheit, falls es sich um einen Wehrpflichtigen handelte. In diesen Fällen lag die tatsächliche Auswanderung manchmal bis zu 20 Jahre zurück, weil der Prozeß erst dann geführt wurde, wenn das Fehlen der betreffenden Person bei der Ersatzaushebung festgestellt wurde. ‑ Die Bezeichnungen "mit Konsens", "ohne Konsens" und "mit Paß" beziehen sich auf die Beantragung einer Auswanderungsgenehmigung, die in Preußen gesetzlich vorgesehen war, die illegale Auswanderung ohne Papiere oder die Reise in die USA mit einem Reisepaß. ‑"durch ... vermittelt" bedeutet, daß sich der Auswanderer an einen der konzessionierten "Agenten" gewandt hatte, der bei der Vermittlung der Schiffspassage und anderen organisatorischen Dingen gegen Bezahlung behilflich war.

 

Die jeweils zweite Zeile enthält den Stand bzw. Beruf des Auswanderers und seinen Namen sowie die Hausnummer, die dritte das Geburtsdatum. Zeile 4 schließlich beinhaltet das Auswanderungsziel innerhalb der USA, sofern es bekannt war. Die Rufnamen der Auswanderer sind, sofern bekannt, unterstrichen.

 

1860 ohne Konsens

Ackersmann BÄCKER

 

1881 mit Konsens

Christian August BALKMANN

14.8.1863

St. Louis

 

1858

Louise BARTELHEIMER

 

1842

Johann Friedrich Wilhelm BLANKE

3.9.1840

Sielhorst

mit Eltern

Johann Christian Friedrich BLANKE

Sophie Wilhelmine geb. BÖCKENHEIDE

und Geschwistern (Namen nicht bekannt)

 

1845

Heinrich Wilhelm BOLLES

8.10.1827

(ist später verschollen)

 

1872 (mit Konsens)

Lohgerber Ernst Louis BOMMELMANN, Nr. 103

4.12.1853

 

1857 (durch Kolkhorst/Rahden vermittelt; mit Konsens)

Christian BRAMMEYER, b. Nr. 29

17 Jahre alt

New Orleans

 

1850

Johann Christoph BRAMMEYER

2.4.1829

 

1859

Sohn eines Lehrers Christian Leopold BRANDES

 

1869 (durch Kolkhorst/Rahden vermittelt; ohne Konsens)

Marie Dorothea Ida BRANDES, Nr. 98

19.3.1842

New York

 

1869 (durch Kolkhorst/Rahden vermittelt; mit Konsens)

Kaufmann Theodor Wilhelm Feodor BRANDES

23.9.1851

New York

 

1874

Heinrich BREMER

 

1857 (durch Kolkhorst/Rahden vermittelt; ohne Konsens)

Sophie BREMER, b. Nr. 29

18 Jahre alt

New Orleans

 

1859 (durch Hartmann/Lübbecke vermittelt)

Christine Dorothee BUNGE, bei Nr. 55

26.12.1843

St. Louis

 

1857 (durch Kolkhorst/Rahden vermittelt; ohne Konsens)

Wilhelm BURMESTER, b. Nr. 10

18 Jahre alt

New York

 

(ohne Jahreszahl)

Wilhelm CORDES

Pleasant Ridge

mit Bruder

Louis CORDES

Pleasant Ridge

 

1883 (mit Konsens)

Handarbeiter Friedrich Ludwig DREIER

5.12.1858

St. Louis

 

1859

Charlotte Wilhelmine Caroline DREYER

25.3.1842

St. Louis

 

1859

Kriecht Johann Heinrich Wilhelm DREYER

7.3.1835 in Wehdem

 

1859

Witwe Louise Henriette DREYER

1.1.1837

St. Louis

 

1869 (mit Konsens)

Handarbeiter Carl Friedrich Wilhelm DUWE, Nr. 82

2.3.1852

Cincinnati

 

1869 (mit Konsens)

Hermann Heinrich DUWE, bei Nr. 82

27.4.1856

Washington

 

1850

Christian Ludwig EMSHOFF

25.12.1811, gest. 1.2.1878 New Wehdem/Texas

 

1893

Colon Friedrich ENGELAGE, Nr. 72

69 Jahre alt

 

mit Frau

60 Jahre alt

 

1871 (ohne Konsens)

Handarbeiter Christian Heinrich GRIEPENSTROH, Nr. 5

2.10.1842

New York

 

1854

Ackersmann Christian Friedrich Wilhelm GRIEPENSTROH

26.3.1834

 

vor 1870

Christine Marie Wilhelmine GRIEPENSTROH, Nr. 5

29.7.1832

Indiana

 

mit Bruder

Christoph Friedrich Wilhelm GRIEPENSTROH, Nr. 5

16.3.1834

 

1888 (mit Konsens)

Ackersmann Florenz Christian Heinrich GRIEPENSTROH, Nr. 87

29 7.1871, gest. 1915 St. Louis

Indiana

 

1884 (mit Konsens)

Handarbeiter Franz Friedrich Wilhelm GRIEPENSTROH

29.6.1866

Cincinnati

 

Zwischen 1878 und 1881

Heinrich GRIEPENSTROH, Nr. 87

Terre Haute/Indiana, zwischenzeitlich Los Angeles

 

1853

Handarbeiter Carl Wilhelm Heinrich HAAKE

20.1.1835

 

1895 (ohne Konsens)

Christian Friedrich HADELER

28.10.1872

 

1882 (mit Konsens)

Handarbeiter Wilhelm Heinrich HAGEBÖCKER

8.8.1866

Chicago

 

1888 (ohne Konsens) Bäckergeselle Georg Otto HARTKE, bei Nr. 71

 

31.3.1864 (Ersatzreserve 1)

Pennsylvania

 

1856 (durch Kolkhorst/Rahden vermittelt)

Christian Carl Wilhelm HARTMEYER

24 Jahre alt (1855 zur Armeereserve entlassen)

Baltimore

 

1856

Handarbeiter Heinrich Wilhelm HARTMEYER

7.3.1835

mit Eltern

Johann Christoph HARTMEYER

Anne Marie Charlotte geb. LAPPE

 

1856 (durch Kolkhorst/Rahden vermittellt; ohne Konsens)

Colon Johann Christoph HARTMEYER, Nr. 149

24.3.1798

mit Frau

Anne Marie Charlotte geb. LAPPE

23.1.1795

und Kindern

Johann Conrad, 21.1.1837

Wilhelmine Christine, 12.2.1841

 

1856 (durch Kolkhorst/Rahden vermittelt; ohne Konsens)

Heuerling und Tagelöhner Johann Friedrich Wilhelm HARTMEYER

29.10.1826

Baltimore

mit Frau

Charlotte Louise Henriette geb. STARKE

9.4.1827

und Sohn

Johann Wilhelm, 12.8.1854

 

1856 (durch Kolkhorst/Rahden vermittelt) HARTMEYER (weiblich), b. Nr. 149 16 Jahre alt (Verwandtschaftsgrad zu den anderen Auswanderern namens Hartmeyer nicht zu ermitteln)

 

1845

Christian Friedrich Wilhelm HAßLAGE

27.1.1827

 

1857 (durch Kolkhorst/Rahden vermittelt)

Franz Heinrich Hermann HAßLAGE

58 Jahre alt

New York (reist mit Pass)

 

1867 (durch Kolkhorst aus Espelkamp vermittelt; mit Konsens)

Knecht Franz Heinrich Ludwig HEGGEMEIER, Nr. 174

8.3.1839

Cincinnati

 

1844

Carl Friedrich Wilhelm HELDMANN

28.10.1825

 

1857 (ohne Konsens)

HELLMICH (männlich), b. Nr. 52

17 Jahre alt

New Orleans

 

1857 (durch Kolkhorst/Rahden vermittelt; ohne Konsens)

HELLMICH (männlich), b. Nr. 2

20 Jahre alt

New York

 

1851

Handarbeiter Christian Friedrich HELTMANN

24.1.1833

 

1860 (mit Konsens)

Heuerling Franz Heinrich HINZE

9.10.1810, b. Nr. 22, dann b. Nr. 18

Independence/Texas

mit Kindern

Anne Marie Dorothea, 6.4.1843

Anne Marie Sophie, 6.8.1846

Friedrich Wilhelm, 13.12.1851

Engel, gest. 4.8.1866

Wilhelmine Christine, 12.4.1858

 

1858

Sophie Louise HINZE

19.3.1849

(Tochter von Franz Hinze)

 

1853

Ackersmann Christian Heinrich HODDE

12.10.1833

 

1847

Christian Wilhelm HODDE

21.4.1831

London/Großbritannien

 

1867

Knecht Christian Heinrich HODDE

30.11.1849

 

1851

Ackersmann Christoph Heinrich HODDE

27.11.1839

 

1857

(ohne Konsens)

Christoph Heinrich HODDE,

b. Nr. 95

27.1.1839

New Orleans

 

1849

Conrad Diedrich HODDE

11.6.1829

 

1854

Knecht Johann Friedrich Wilhelm HODDE

11.12.1835

 

1857

Sophie Wilhelmine Engel HODDE, Nr. 75

24 Jahre alt; gest. 19.6.1912 Plum Hill/III.

New Orleans

 

1853

Handarbeiter Christian Friedrich HOLLE

26.6.1833

 

1851

Christian Wilhelm HOLLE

1.3.1830

 

1839

Christian Friedrich HONSTEDT

24.3.1821

 

1839

Friedrich Wilhelm HONSTEDT

13.6.1818

 

1855 (ohne Konsens)

Schneider KLEINE

 

1855

Handarbeiter Heinrich Friedrich Wilhelm KLOSTERMANN

14.9.1833

 

1881 (mit Konsens)

Ernst August Carl KLUSENER

27.1.1864

Pittsburg

 

1871 (mit Konsens)

Handarbeiter Christian Friedrich KOKEMOHR, Nr. 88

17.9.1854

Pittsburg

 

1891 (mit Konsens)

Ackersmann Heinrich Wilhelm KOKEMOHR GT. STEINMANN

26.12.1873

 

1854

Schmied Franz Christian KRÄMER

4.9.1833

 

1884 (durch Bödeker/Bremen vermittelt; ohne Konsens) Ackersmann Heinrich KROOS, bei Nr. 30 9.9.1860 (Armee‑Reservist) Missouri

mit Frau

Engel geb. WISCHMEIER

16.12.1854

und Kindern

Friedrich Wilhelm, 23.6.1881

Heinrich August, 27.3.1883

 

1854

Knecht Franz Friedrich Wilhelm KROPP

18.2.1835

 

1855

Handarbeiter Christian Friedrich LAHRMANN

17.4.1833

 

1853

Handarbeiter Christian Wilhelm LAMPE

11.10.1833

 

1852

Christoph Heinrich LAMPE

2.3.1832

 

1857 (durch Kolkhorst/Rahden vermittelt; ohne Konsens)

LUBBE (männlich),

b. Nr. 10

27. Jahre alt

New Orleans

 

1854

Handarbeiter Christian Friedrich LÜCKING

26.3.1834

 

1869 (durch Kolkhorst/Rahden vermittelt; ohne Konsens)

Schulkind Christine Dorothea METTING, b. Nr. 9

20.5.1855

Texas

 

1870 (durch Sievers/Bremen vermittelt; ohne Konsens)

Heuerling Franz Heinrich METTING, b. Nr. 9

8.11.1828

Texas

 

mit Frau

Wilhelmine Dorothea METTING

20.12.1839

und Kindern

Christine Sophie, 29.4.1863

Sophie Caroline, 3.7.1866

Christine Sophie, 17.9.1869

 

1869 (durch Kolkhorst/Rahden vermittelt; ohne Konsens)

Schulkind Wilhelmine Christine METTING

13.12.1857

Texas

 

1850 Sohn eines Neubauern Johann Friedrich Wilhelm MEYER 24.5.1830, gest. 10.4.1918 New Wehdem verheiratet mit einer MOLKENBUR

 

1892

Bergmann Wilhelm MEYER

30 Jahre alt

 

mit Frau

Marie MEYER

26 Jahre alt

und Kindern

Caroline, 3 Jahre alt

Minna, 1 Jahr alt

 

1856 (durch Kolkhorst/Rahden vermittelt)

MÖLLER (männlich), b. Nr. 105

20 Jahre alt

 

vor 1849

Christian Friedrich MÖNKEDIEK

17.3.1827

 

1845

Christian Heinrich MÖNKEDIEK

15.3.1825

 

1850

Neubauer Christoph Friedrich MÖNKEDIEK

17.11.1828

 

1851

Handarbeiter Franz Heinrich MÖNKEDIEK

4.2.1834

mit Eltern

Christoph Heinrich MÖNKEDIEK

Christine Marie Engel geb. RÜTER

und Geschwistern

(Namen nicht bekannt)

 

1848

Heinrich Wilhelm MÖNKEDIEK

21.9.1831

 

1855

Carl MOLKENBUR, Nr. 51

Cincinnati

 

1894? (ohne Konsens)

Franz Heinrich OBERMANN

9.10.1865

(vom Schöffengericht Bremen in absentia zu 40 Mark

Geldstrafe verurteilt wegen Wehrdienstentziehung)

 

1857 (durch Kolkhorst/Rahden vermittelt)

Anne Marie Charlotte Louise PIEPER, Nr. 177

28 Jahre alt

New York, reist mit Pass

 

1854

Handarbeiter Carl Christian Friedrich PIEPER

18.3.1837

 

1851

Schneider Christian Friedrich Wilhelm PIEPER

25.2.1834

London/Großbritannien

 

1884 (durch Rohlfing/Diepholz vermittelt; ohne Konsens)

Handarbeiter Heinrich Wilhelm PIEPER, Nr. 88

3.4.1859 (Ersatzreserve II)

Indiana

 

1832

Heinrich Ludwig RÄKER

22.4.1822

Sielhorst

 

1872 (ohne Konsens)

Handarbeiterin Caroline Wilhelmine ROHE (Sielhorst b. Nr. 142;

Varl ‑ das Heuerlingshaus lag wohl auf Varler Grund)

26.2.1853

 

1850

Christian Friedrich Wilhelm ROSE

12.7.1828

 

1850

Christian Friedrich Wilhelm SEEKER

21.4.1830

 

1855

Ackersmann Johann Christian Gottlieb SEEKER

3.8.1834

 

1857 (mit Konsens)

SIEBE, b. Nr. 8

17 Jahre alt

Cincinnati

 

1857

Karl Wilhelm SIEBE, b. Nr. 66

9.11.1838

Cincinnati

 

1860

Franz Christian SIEBE

14.7.1841

 

1857 (durch Kolkhorst/Rahden vermittelt, mit Konsens)

Christian Heinrich SCHLECHTE GT. BRAMMEYER, Nr. 29

St. Louis

 

1850

Sohn eines Heuerlings Heinrich Christian SCHLOTTMANN

6.12.1832

 

1854

Wagenmacher Franz Heinrich SCHMALGEMEIER

9.9.1834

(ist am 30.10.1858 in den USA verstorben)

 

(ohne Jahreszahl)

Familie SCHMIDT, Nr. 69

 

1893

Handarbeiterin Sophie SCHOMÄKER, Nr. 72

14 Jahre alt

 

1893

Handarbeiterin Marie SCHOMÄKER, Nr. 72 ‑

24 Jahre alt

 

1895 (ohne Konsens)

Friedrich Ludwig Wilhelm SCHOMBURG

9.5.1872

 

1888 (ohne Konsens)

Christian SCHWETTMANN, Nr. 130

24.2.1870

 

Christian Friedrich SCHWETTMANN

8.2.1868

Cincinnati

 

1884 (durch Sander/Lemförde vermittelt; ohne Konsens)

Ackersmann Christian Heinrich SCHWETTMANN, bei Nr. 19

1.9.1852

Cincinnati

 

1888 (ohne Konsens)

Zimmermann Christoph Friedrich SCHWETTMANN

24.2.1870

Cincinnati

Drei seiner Brüder sind schon vorher ausgewandert.

 

1883 (mit Konsens)

Friedrich Wilhelm SCHWETTMANN

16.7.1866

Cincinnati

 

(ohne Datum) Heinrich SCHWETTMANN, Nr. 130 geb. 1863

 

1849

Heinrich Friedrich Wilhelm SCHWETTMANN

27.12.1826

 

1879 (mit Konsens)

Heinrich Wilhelm SCHWETTMANN

9.11.1864

(eine Schwester wohnt bereits in den USA)

 

1881 (mit Konsens)

Johann Heinrich SCHWETTMANN

21.2.1864

Texas

 

1881 (mit Konsens)

Handarbeiter Wilhelm Christoph SCHWETTMANN

30.6.1855

St. Louis

 

1848

Sohn eines Neubauern Christian Heinrich SÖLTER

1.9.1828

 

1846

Christoph Heinrich SÖLTER

11.12.1828

 

1853 (ohne Konsens)

Drechsler Christian Heinrich SPREEN, Nr. 95

9.2.1834 (9.3.1834?)

Alton/Illinois

 

(ohne Jahreszahl)

Wilhelm SPREEN

 

vor 1869

Christian Heinrich STEINKAMP, Nr. 97

29.5.1808

Pleasant Ridge

mit Frau

Wilhelmine STEINKAMP

und 8 Kindern, darunter

Wilhelm

Christian

Louise

Friedrich

 

1886 (ohne Konsens)

Dorothee STEINKAMP, bei Nr. 12

18 Jahre alt

(soll schon 1883 ausgewandert sein)

 

1879 (durch Tacke/Wehe vermittelt; ohne Konsens)

Sophie STEINKAMP

15 Jahre alt

New York

 

(ohne Jahreszahl)

Familie THANE, Nr. 32

 

1857

Matrose Christoph Wilhelm THIELEMANN

11.1.1834

(ist auf dem Schiff "New York" tödlich verunglückt)

 

1856 (durch Kolkhorst/Rahden vermittelt)

UETRECHT (weiblich), b. Nr. 110

30 Jahre alt

mit Tochter (unehelich)

10 Jahre alt

 

1882 (ohne Konsens)

Invalide Carl Ludwig VOGELSANG, bei Nr. 41

20.12.1854

Cincinnati/Ohio

 

1855 (durch Kolkhorst/Rahden vermittelt)

Christian Wilhelm WAGENFELD

29 Jahre alt

New York, reist mit Pass

 

1857 (durch Kolkhorst/Rahden vermittelt; ohne Konsens)

Christine WAGENFELD, Nr. 114

30 Jahre alt

New Orleans

 

1850

Franz Christoph Heinrich WAGENFELD, Nr. 114

2.4.1829

 

1850

Heinrich Friedrich Wilhelm WARNER

28.1.1830

 

1883 (mit Konsens)

Tischler Franz Friedrich WEHDEKING

16.6.1866

Texas

 

1873 (mit Konsens)

Heuerling Johann Friedrich Wilhelm WEMEL, b. Nr. 142

22.11.1827

Brenham/Texas

mit Frau

Dorothee Luise geb. BÖCKENHEIDE

149.1826

 

und Kindern

Heinrich Friedrich Wilhelm, 3.6.1858

Johann Heinrich, 30.8.1861

Caroline Dorothee, 23.5.1866

Wilhellm August, 7.7.1870

 

1857 (durch Kolkhorst/Rahden vermittelt; ohne Konsens)

WESSEL (männlich), b. Nr. 1

 

1846

Christian Heinrich WICHERT

30.7.1824

 

1856 (durch Kolkhorst/Rahden vermititelt)

WIEGMANN (weiblich), b. Nr. 149

20 Jahre alt

 

1856 (durch Kolkhorst/Rahden vermittelt)

Sophie Marie Dorothee WINDHORST

Baltimore

 

1871 (mit Konsens)

Handarbeiter Christian Friedrich WISCHMEYER, bei Nr. 85

21.8.1856

St. Louis

 

1882 (mit Konsens)

Heuerling Georg Friedrich WISCHMEYER

24.11.1820 Wagenfeld

Missouri

mit Frau

Wilhelmine Marie Dorothee geb. SCHWETTMANN

19.2.1825 Sielhorst

und Kindern

Friedrich Wilhelm, 11.7.1864

Heinrich August, 5.3.1869

 

1878 (mit Konsens)

Handarbeiter Heinrich Wilhelm WISCHMEYER, bei Nr. 85

11.9.1860

St. Louis

 

1878 (durch Pohlmann/Wagenfeld vermittelt; ohne Konsens)

Handarbeiterin Wilhelmine Sophie WISCHMEYER, bei Nr. 85

6.10.1858

St. Louis

 

 

 

 

aus:      Frieda Warner: „725 Jahre Varler Geschichte(n)“

            erschienen 1995 im VML-Verlag, Espelkamp